Das Berkshire-Hathaway-Modell: Was der Mittelstand davon lernen kann
Wie funktioniert Berkshire Hathaway? Dauerhaftes Kapital, Dezentralität und Vertrauen erklärt, und was sich auf den Mittelstand übertragen lässt.
Berkshire Hathaway ist eine Holding aus Omaha in den USA, die Warren Buffett ab 1965 aus einer schrumpfenden Textilfirma zu einem der wertvollsten Unternehmen der Welt entwickelt hat. Sie besitzt Dutzende Unternehmen vollständig, von Versicherungen über eine Eisenbahn bis zu Süßwaren, und hält große Aktienpakete. Für viele Unternehmer und Investoren ist sie das bekannteste Beispiel dafür, dass dauerhaftes Halten und Value Investing über Jahrzehnte funktionieren können.
Wie funktioniert Berkshire Hathaway?
Das Modell lässt sich auf vier Bausteine zurückführen:
- Dauerhaftes Kapital: Berkshire ist kein Fonds mit Laufzeit, sondern eine Aktiengesellschaft. Es gibt keinen Zwang, Beteiligungen zu verkaufen.
- Kauf ganzer Unternehmen zum Behalten: Übernommene Firmen werden nicht weiterverkauft, sondern in die Gruppe aufgenommen.
- Dezentrale Führung: Die Tochterunternehmen werden von ihren eigenen Managern geführt. Die Zentrale in Omaha ist bemerkenswert klein.
- Zentrale Kapitalverteilung: Was die Töchter an Gewinn erwirtschaften und nicht selbst sinnvoll investieren können, fließt an die Holding. Dort wird entschieden, wo das Geld die beste langfristige Rendite erzielt.
Eine wichtige Rolle spielt außerdem das Versicherungsgeschäft. Versicherer erhalten Prämien, bevor sie Schäden zahlen. Dieses zwischenzeitlich verfügbare Geld, der sogenannte Float, konnte Berkshire über Jahrzehnte investieren.
Welche Rolle spielte Charlie Munger?
Charlie Munger war über Jahrzehnte Buffetts Partner und Vizevorsitzender von Berkshire. Ihm wird zugeschrieben, Buffett von Grahams Suche nach sehr billigen Aktien hin zu Qualitätsunternehmen bewegt zu haben. Buffett fasste das später so zusammen: Es sei weit besser, ein wunderbares Unternehmen zu einem fairen Preis zu kaufen als ein mittelmäßiges Unternehmen zu einem wunderbaren Preis.
Ein frühes Beispiel ist der Kauf des Süßwarenherstellers See's Candies im Jahr 1972. Der Preis lag deutlich über dem Buchwert, doch das Unternehmen verdiente dauerhaft gut und benötigte wenig zusätzliches Kapital. Die Gewinne konnten über Jahrzehnte in andere Beteiligungen fließen.
Warum verkaufen Unternehmer gerade an Berkshire?
Weil Berkshire Verkäufern etwas bietet, das viele andere Käufer nicht bieten können: die Zusage, das Unternehmen dauerhaft zu behalten und die Führung weitgehend eigenständig arbeiten zu lassen. Buffett hat diese Haltung in seinen Aktionärsbriefen immer wieder beschrieben. Unternehmer, denen ihr Lebenswerk wichtig ist, verkaufen oft lieber an einen dauerhaften Eigentümer als an den Höchstbietenden, der in einigen Jahren selbst weiterverkauft.
Berkshire veröffentlicht zudem seit Langem, welche Unternehmen es sucht: verständliche Geschäftsmodelle, beständige Ertragskraft, gute Kapitalrenditen bei wenig Schulden und ein Management, das bleibt.
Was unterscheidet Berkshire von Private Equity?
| Merkmal | Berkshire Hathaway | Typischer Private-Equity-Fonds |
|---|---|---|
| Kapital | Dauerhaft, keine Laufzeit | Fonds mit begrenzter Laufzeit |
| Haltedauer | Unbegrenzt | Meist einige Jahre |
| Finanzierung von Käufen | Überwiegend aus eigenen Mitteln | Häufig mit hohem Fremdkapitalanteil |
| Führung der Töchter | Dezentral, große Eigenständigkeit | Enge Steuerung auf Wertsteigerung bis zum Exit |
| Rendite entsteht durch | Laufende Erträge über Jahrzehnte | Wertsteigerung bis zum Verkauf |
Mehr zu den Käufergruppen im Mittelstand im Beitrag Unternehmen verkaufen: Käufer im Vergleich.
Was kann der deutsche Mittelstand vom Berkshire-Modell lernen?
Die Größe von Berkshire ist nicht übertragbar. Die Prinzipien dahinter schon, und viele davon kennen gute Familienunternehmer seit Generationen:
- In Generationen denken: Entscheidungen werden daran gemessen, ob sie das Unternehmen in zehn oder zwanzig Jahren stärker machen.
- Vertrauen in gute Führung: Wer fähige Menschen hat, lässt sie arbeiten, statt jeden Schritt zu steuern.
- Solide Finanzierung: Wenig Schulden bedeuten Handlungsfreiheit in schwierigen Zeiten.
- Ruf als fairer Eigentümer: Wer verlässlich ist, wird zum bevorzugten Käufer, auch ohne das höchste Gebot.
- Disziplin bei der Kapitalverteilung: Gewinne dorthin lenken, wo sie langfristig am meisten bewirken, und lieber warten als überteuert kaufen.
Gibt es ein „deutsches Berkshire“?
Die Bezeichnung wird in Medien immer wieder für unterschiedliche deutsche und europäische Beteiligungsgesellschaften verwendet. Einen direkten Vergleich halten wir für schwierig: Berkshire ist über mehr als sechs Jahrzehnte gewachsen, unter besonderen Bedingungen und mit außergewöhnlichen Persönlichkeiten an der Spitze. Sinnvoller als die Suche nach einer Kopie ist die Frage, welche Prinzipien sich im eigenen Umfeld anwenden lassen.
In Europa zeigen vor allem dezentral geführte Holdings aus Skandinavien, dass dauerhaftes Halten mittelständischer Unternehmen auch hier funktionieren kann. Für den deutschen Mittelstand, in dem in den kommenden Jahren sehr viele Nachfolgen anstehen, ist das Modell besonders naheliegend.
Wie wir bei Clauss Capital davon lernen
Berkshire Hathaway ist für uns ein Vorbild, kein Maßstab, an dem wir uns messen. Wir übernehmen das, was im Mittelstand trägt: Unternehmen dauerhaft halten, auf riskante Finanzhebel verzichten und erfahrene Teams in ihrer Arbeit bestärken. Wie wir das konkret umsetzen, beschreiben wir auf der Seite für Investoren.
Häufige Fragen
Was macht Berkshire Hathaway?
Berkshire Hathaway ist eine Holding, die viele Unternehmen vollständig besitzt, darunter Versicherungen, eine Eisenbahn, Energieversorger und Konsumgüterhersteller, und zusätzlich große Beteiligungen an börsennotierten Unternehmen hält. Die Tochterunternehmen werden weitgehend eigenständig geführt.
Warum verkauft Berkshire Hathaway seine Unternehmen nicht?
Weil das Modell auf dauerhaftem Besitz beruht. Berkshire hat kein Fondsende, zu dem verkauft werden müsste, und sieht die Zusage, Unternehmen zu behalten, als Vorteil gegenüber anderen Käufern. Buffett beschrieb die bevorzugte Haltedauer als „für immer“.
Was ist der Float bei Berkshire Hathaway?
Als Float bezeichnet man das Geld, das ein Versicherer aus Prämien erhält, bevor er Schäden auszahlt. Berkshire konnte diese Mittel über Jahrzehnte investieren, was ein wichtiger Baustein seines Wachstums war.
Lässt sich das Berkshire-Modell auf kleine Unternehmen übertragen?
Die Größe und die Versicherungsstruktur nicht, die Prinzipien schon: dauerhaftes Halten, dezentrale Führung, solide Finanzierung und disziplinierte Verwendung der Gewinne. Gerade im Mittelstand passen diese Grundsätze gut zur Denkweise vieler Familienunternehmer.
Quellen und weiterführende Literatur
- Warren Buffett: Aktionärsbriefe von Berkshire Hathaway, https://www.berkshirehathaway.com/letters/letters.html
- Berkshire Hathaway: Owner's Manual (Grundsätze für Aktionäre), https://www.berkshirehathaway.com
- Lawrence A. Cunningham (Hrsg.): The Essays of Warren Buffett
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information. Er stellt keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung und kein Angebot zum Erwerb von Beteiligungen dar.