Private Equity einfach erklärt: Wie Beteiligungsgesellschaften Unternehmen kaufen
Was ist Private Equity? Fondsstruktur, Exit, Leveraged Buyout und Gebühren verständlich erklärt, für Unternehmer und Investoren in Frankfurt.
Private Equity, auf Deutsch etwa „privates Beteiligungskapital“, ist Eigenkapital, das in Unternehmen investiert wird, die nicht an der Börse notiert sind. In der Praxis meint der Begriff meist Beteiligungsgesellschaften, die Geld von Investoren in Fonds bündeln, damit Unternehmen kaufen, sie einige Jahre weiterentwickeln und anschließend wieder verkaufen. Für viele Mittelständler ist Private Equity einer der wichtigsten Käufer bei einer Nachfolge. Dieser Beitrag erklärt das Modell sachlich, mit seinen Stärken und Grenzen.
Was ist Private Equity?
Private Equity umfasst alle Formen von Eigenkapitalbeteiligungen an nicht börsennotierten Unternehmen. Je nach Phase des Unternehmens unterscheidet man:
| Bereich | Wofür das Kapital eingesetzt wird |
|---|---|
| Venture Capital | Junge Unternehmen und Start-ups mit hohem Wachstumspotenzial |
| Growth Capital | Wachstum etablierter Unternehmen, oft als Minderheitsbeteiligung |
| Buyout | Übernahme der Mehrheit an reifen Unternehmen, häufig bei Nachfolgen |
| Mezzanine | Mischform aus Eigen- und Fremdkapital |
Im Mittelstand und bei Nachfolgen geht es fast immer um Buyouts, also die Übernahme der Mehrheit.
Wie funktioniert ein Private-Equity-Fonds?
Ein Private-Equity-Fonds sammelt Kapital von Investoren ein, etwa von Versicherungen, Pensionskassen, Stiftungen, Family Offices und vermögenden Privatpersonen. Die Beteiligungsgesellschaft verwaltet den Fonds und trifft die Investitionsentscheidungen. Typisch sind:
- Feste Laufzeit: häufig rund zehn Jahre. In den ersten Jahren wird investiert, danach werden die Beteiligungen nach und nach verkauft.
- Haltedauer: pro Unternehmen meist etwa fünf bis sieben Jahre.
- Rückzahlung: Am Ende erhalten die Investoren ihr Kapital samt Gewinnen zurück.
Aus der begrenzten Laufzeit folgt das Grundprinzip: Jede Beteiligung muss irgendwann verkauft werden.
Wie verdienen Private-Equity-Gesellschaften Geld?
Branchenüblich ist das Modell „2 und 20“:
- Verwaltungsgebühr (Management Fee): etwa 2 % des zugesagten Kapitals pro Jahr, unabhängig vom Ergebnis.
- Gewinnbeteiligung (Carried Interest): etwa 20 % der Gewinne, meist erst nach Erreichen einer Mindestrendite für die Investoren.
Die genauen Werte variieren, das Prinzip ist aber weit verbreitet.
Was ist ein Leveraged Buyout?
Bei einem Leveraged Buyout (LBO) wird ein großer Teil des Kaufpreises mit Krediten finanziert, die anschließend das gekaufte Unternehmen aus seinen Erträgen bedienen muss. Der Hebel kann die Rendite auf das eingesetzte Eigenkapital deutlich erhöhen. Er erhöht aber auch das Risiko: In schwächeren Jahren fließt ein großer Teil der Erträge in Zins und Tilgung statt in Investitionen.
Wie läuft ein Exit ab?
Am Ende der Haltedauer verkauft der Fonds seine Beteiligung. Die häufigsten Wege sind:
- Verkauf an einen strategischen Käufer, etwa einen Wettbewerber oder Konzern
- Verkauf an einen anderen Finanzinvestor (Secondary Buyout)
- Börsengang (IPO), vor allem bei größeren Unternehmen
- Rückkauf durch das Management, seltener
Für das Unternehmen bedeutet ein Exit meist einen erneuten Eigentümerwechsel, oft mit neuen Zielen und einer neuen Finanzierung.
Was spricht für und was gegen Private Equity?
| Für Private Equity | Gegen Private Equity |
|---|---|
| Professionelle Begleitung, Netzwerke, Erfahrung mit Zukäufen | Begrenzter Zeithorizont bis zum Exit |
| Kapital für Wachstum und Professionalisierung | Häufig hoher Fremdkapitalanteil |
| Oft marktgerechte, teils hohe Kaufpreise | Erneuter Eigentümerwechsel nach einigen Jahren |
| Klarer, strukturierter Prozess | Starker Fokus auf Rendite bis zum Verkaufszeitpunkt |
Viele Fonds arbeiten seriös und entwickeln Unternehmen erfolgreich weiter. Für Inhaber ist nur wichtig zu wissen, dass ein späterer Weiterverkauf zum Modell gehört. Einen direkten Vergleich mit strategischen Käufern und langfristigen Holdings bietet der Beitrag Unternehmen verkaufen: Käufer im Vergleich.
Private Equity in Frankfurt und Deutschland
Frankfurt am Main ist neben München einer der wichtigsten Standorte für Private Equity in Deutschland. Viele Beteiligungsgesellschaften, Banken, Kanzleien und M&A-Berater haben hier ihren Sitz, und zahlreiche Transaktionen im deutschen Mittelstand werden von Frankfurt aus begleitet. Branchenverband ist der Bundesverband Beteiligungskapital (BVK), der regelmäßig Marktstatistiken veröffentlicht.
Wie unterscheidet sich die Clauss Capital AG von Private Equity?
Wir kaufen wie ein Private-Equity-Investor mittelständische Unternehmen, sind aber kein klassisches Private Equity. Der wichtigste Unterschied ist der Exit: Wir haben keine Fondslaufzeit und planen keinen Weiterverkauf, sondern halten Unternehmen dauerhaft, nach dem Vorbild von Berkshire Hathaway. Wir nutzen keine Leveraged-Buyout-Strukturen und verzichten auf das „2 und 20“-Modell. Wie das in der Praxis aussieht, beschreiben wir auf unserer Seite für Unternehmer.
Häufige Fragen
Was ist Private Equity einfach erklärt?
Private Equity ist Eigenkapital, das außerhalb der Börse in Unternehmen investiert wird. Meist kaufen Beteiligungsfonds Unternehmen, entwickeln sie über einige Jahre weiter und verkaufen sie anschließend wieder.
Wie lange halten Private-Equity-Fonds ein Unternehmen?
Häufig etwa fünf bis sieben Jahre. Grund ist die begrenzte Laufzeit der Fonds, an deren Ende die Investoren ihr Kapital zurückerhalten.
Was bedeutet „2 und 20“ bei Private Equity?
Damit ist das übliche Vergütungsmodell gemeint: rund 2 % jährliche Verwaltungsgebühr auf das Kapital und rund 20 % Beteiligung an den Gewinnen, meist nach Erreichen einer Mindestrendite.
Ist Private Equity gut oder schlecht für ein Unternehmen?
Weder pauschal gut noch schlecht. Private Equity kann Kapital und Professionalität bringen. Ein hoher Kreditanteil und der geplante Weiterverkauf passen aber nicht zu jedem Unternehmen und nicht zu jedem Inhaber, dem die langfristige Zukunft seines Lebenswerks wichtig ist.
Quellen und weiterführende Informationen
- Bundesverband Beteiligungskapital (BVK): Statistiken und Informationen zu Private Equity in Deutschland, https://www.bvkap.de
- Invest Europe: Private-Equity-Marktdaten für Europa, https://www.investeurope.eu
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information. Er stellt keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung und kein Angebot zum Erwerb von Beteiligungen dar.