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Clauss Capital

Serial Acquirer: Wie Unternehmensgruppen durch viele kleine Zukäufe wachsen

Was ist ein Serial Acquirer? Wie Gruppen wie Constellation Software durch viele kleine Zukäufe wachsen und was das für den Mittelstand heißt.

Von Joshua ClaussVeröffentlicht am 4 Min. Lesezeit

Ein Serial Acquirer ist ein Unternehmen, das systematisch viele kleinere Firmen übernimmt und sie dauerhaft in einer Gruppe hält. Statt eines großen Zukaufs alle paar Jahre stehen Dutzende oder Hunderte kleiner Käufe über lange Zeiträume. Das Modell hat in den vergangenen Jahrzehnten einige der erfolgreichsten börsennotierten Unternehmen hervorgebracht und viele Anleger auf ein Thema aufmerksam gemacht, das für den Mittelstand besonders relevant ist: die Nachfolge kleiner, profitabler Familienunternehmen.

Was ist ein Serial Acquirer?

Ein Serial Acquirer macht Unternehmenskäufe zu seinem eigentlichen Geschäft. Die gekauften Firmen bleiben meist eigenständig, behalten Namen und Führung und liefern ihre überschüssigen Gewinne an die Gruppe. Diese investiert das Geld in weitere Zukäufe. So entsteht ein Kreislauf, in dem der Zinseszinseffekt nicht innerhalb eines Unternehmens, sondern über eine wachsende Zahl von Unternehmen wirkt.

Welche Beispiele gibt es?

Einige Gruppen werden in diesem Zusammenhang besonders häufig genannt:

UnternehmenHerkunftSchwerpunkt
Constellation SoftwareKanada, gegründet 1995 von Mark LeonardBranchensoftware für spezialisierte Märkte
LifcoSchwedenDental, Demolition & Tools, Systemlösungen
IndutradeSchwedenTechnische Komponenten und Industrieprodukte
AddtechSchwedenTechnische Lösungen für Industrie und Infrastruktur
HalmaGroßbritannienSicherheits-, Umwelt- und Medizintechnik

Auch Berkshire Hathaway kauft seit Jahrzehnten ganze Unternehmen, um sie zu behalten, allerdings meist deutlich größere. Mehr dazu im Beitrag Das Berkshire-Hathaway-Modell.

Wie funktioniert das Modell?

Erfolgreiche Serial Acquirer folgen meist ähnlichen Grundsätzen:

  1. Viele kleine Käufe: Kleine Unternehmen sind oft günstiger bewertet als große, und der Wettbewerb um sie ist geringer.
  2. Dauerhaftes Halten: Gekaufte Unternehmen werden nicht weiterverkauft.
  3. Dezentrale Führung: Die Verantwortung bleibt bei den Menschen vor Ort; die Zentrale ist klein.
  4. Disziplinierte Kapitalverteilung: Die Zentrale entscheidet, wohin die Gewinne fließen, mit klaren Renditeanforderungen.
  5. Ruf als guter Eigentümer: Inhaber verkaufen bevorzugt an Käufer, bei denen ihr Unternehmen eigenständig weiterlebt.

Was unterscheidet Serial Acquirer von Buy and Build?

Auch Private-Equity-Fonds kaufen häufig mehrere kleinere Unternehmen zu, um eine Plattform aufzubauen. Man spricht von Buy and Build. Der wichtigste Unterschied liegt im Zeithorizont und im Ziel:

MerkmalSerial AcquirerBuy and Build (Private Equity)
ZielDauerhaft wachsende GruppeWertsteigerung bis zum Verkauf der Plattform
HaltedauerUnbegrenztMeist einige Jahre
IntegrationHäufig gering, Eigenständigkeit bleibtOft stärkere Zusammenführung für Synergien
FinanzierungHäufig überwiegend aus laufenden ErträgenOft mit hohem Fremdkapitalanteil

Mehr zu den Käufergruppen im Mittelstand im Beitrag Unternehmen verkaufen: Käufer im Vergleich.

Welche Risiken hat das Modell?

Die Erfolgsgeschichten sind bekannt, die Risiken weniger. Ehrlich betrachtet gilt:

  • Überhöhte Preise: Wenn das Modell bekannter wird, steigt der Wettbewerb um gute Unternehmen.
  • Größe: Je größer die Gruppe, desto mehr Zukäufe sind nötig, um weiter zu wachsen.
  • Schulden: Wer Zukäufe überwiegend mit Krediten finanziert, wird in schwachen Phasen verwundbar.
  • Nachlassende Disziplin: Druck, Wachstum zu zeigen, kann zu schlechteren Käufen führen.
  • Personenabhängigkeit: Viele Gruppen sind stark von wenigen prägenden Persönlichkeiten geformt.

Was bedeutet das für den deutschen Mittelstand?

Im deutschen Mittelstand stehen in den kommenden Jahren sehr viele Nachfolgen an, häufig bei kleinen, profitablen Unternehmen, für die sich weder große Konzerne noch klassische Fonds interessieren. Genau diese Unternehmen stehen im Mittelpunkt des Serial-Acquirer-Modells. Für Inhaber kann ein dauerhafter, dezentral denkender Eigentümer eine Alternative sein, bei der Name, Team und Standort erhalten bleiben. Für Investoren zeigt das Modell, dass Value Investing nicht nur an der Börse, sondern auch im direkten Besitz von Unternehmen funktionieren kann.

Wie wir bei Clauss Capital davon lernen

Die großen Serial Acquirer sind für uns eine Quelle der Inspiration, keine Vorlage, an der wir uns messen. Wir übernehmen, was zu uns passt: dauerhaftes Halten, Respekt vor der Eigenständigkeit der Unternehmen und eine solide Finanzierung ohne riskante Hebel. Mehr dazu auf der Seite für Investoren.

Häufige Fragen

Was ist ein Serial Acquirer?

Ein Serial Acquirer ist ein Unternehmen, das planmäßig viele kleinere Firmen übernimmt, sie dauerhaft in einer Gruppe hält und die Gewinne immer wieder in weitere Zukäufe investiert.

Welche bekannten Serial Acquirer gibt es?

Häufig genannt werden Constellation Software aus Kanada, die schwedischen Gruppen Lifco, Indutrade und Addtech sowie Halma aus Großbritannien.

Warum kaufen Serial Acquirer kleine Unternehmen?

Kleine Unternehmen sind oft günstiger bewertet, der Wettbewerb um sie ist geringer, und viele suchen im Rahmen einer Nachfolge einen Käufer, der sie eigenständig weiterführt. Viele kleine Käufe verteilen außerdem das Risiko einzelner Fehlentscheidungen.

Ist ein Serial Acquirer dasselbe wie Private Equity?

Nein. Private-Equity-Fonds verkaufen Unternehmen in der Regel nach einigen Jahren weiter. Serial Acquirer halten die gekauften Unternehmen dauerhaft und finanzieren Zukäufe häufig überwiegend aus laufenden Erträgen.

Quellen und weiterführende Informationen

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information. Er stellt keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung und kein Angebot zum Erwerb von Beteiligungen dar.

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