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Clauss Capital

Unternehmensbewertung im Mittelstand: Methoden verständlich erklärt

Wie viel ist mein Unternehmen wert? Ertragswert, DCF, Multiplikatoren und Substanzwert verständlich erklärt, mit typischen Werttreibern.

Von Joshua ClaussVeröffentlicht am 5 Min. Lesezeit

Die Unternehmensbewertung beantwortet die Frage, was ein Unternehmen heute wert ist. Im Mittelstand lautet die ehrliche Antwort fast immer: so viel, wie es künftig nachhaltig verdient, abgezinst auf heute und angepasst an seine Risiken. Gebäude, Maschinen und Lagerbestände spielen eine Rolle, entscheiden aber selten über den Wert eines gesunden Betriebs. Dieser Beitrag erklärt die gängigen Methoden und worauf es in der Praxis ankommt.

Welche Methoden der Unternehmensbewertung gibt es?

Vier Verfahren begegnen Inhabern im Mittelstand am häufigsten:

MethodeGrundideeWann sie eingesetzt wird
ErtragswertverfahrenKünftige Gewinne werden mit einem Zinssatz auf heute abgezinstGutachten in Deutschland, Standard nach IDW S 1
Discounted Cashflow (DCF)Künftige frei verfügbare Zahlungsüberschüsse werden abgezinstInternationale Praxis, größere Transaktionen
MultiplikatorverfahrenKennzahl wie EBIT oder EBITDA mal ein marktüblicher FaktorSchnelle Orientierung, Plausibilisierung
SubstanzwertSumme der Vermögenswerte abzüglich SchuldenWertuntergrenze, ertragsschwache Unternehmen

Daneben gibt es für steuerliche Zwecke, etwa bei Erbschaft und Schenkung, das vereinfachte Ertragswertverfahren nach §§ 199 ff. Bewertungsgesetz. Es arbeitet mit einem gesetzlich festgelegten Kapitalisierungsfaktor und eignet sich nicht als Grundlage für einen Verkaufspreis.

Wie funktioniert das Ertragswertverfahren?

Beim Ertragswertverfahren schätzt man die Gewinne, die den Eigentümern künftig zufließen, und rechnet sie mit einem Kapitalisierungszinssatz auf den heutigen Tag zurück. Der Zinssatz spiegelt wider, welche Rendite ein Käufer für das Risiko erwartet. Je unsicherer die Erträge, desto höher der Zins und desto niedriger der Wert.

In Deutschland beschreibt der Standard IDW S 1 des Instituts der Wirtschaftsprüfer, wie solche Gutachten erstellt werden. Für einen Verkauf ist ein volles Gutachten nicht immer nötig, aber die Logik dahinter hilft, Angebote einzuordnen.

Wie funktionieren Multiplikatoren?

Beim Multiplikatorverfahren wird eine Kennzahl, meist das EBIT (Gewinn vor Zinsen und Steuern) oder EBITDA (zusätzlich vor Abschreibungen), mit einem Faktor multipliziert, der aus vergleichbaren Transaktionen abgeleitet ist. Das Ergebnis ist der Wert des Unternehmens ohne Berücksichtigung von Schulden und Barmitteln, der sogenannte Enterprise Value.

Ein vereinfachtes Beispiel: Ein Unternehmen erzielt nachhaltig ein bereinigtes EBIT von 1 Million Euro. Bei einem Multiplikator von 5 ergibt sich ein Enterprise Value von 5 Millionen Euro. Hat das Unternehmen 0,5 Millionen Euro Bankschulden und 0,3 Millionen Euro Kasse, liegt der Wert für den Eigentümer, der Equity Value, bei 4,8 Millionen Euro.

Die Faktoren schwanken stark nach Branche, Größe, Wachstum und Marktlage. Kleinere Unternehmen werden in der Regel mit niedrigeren Faktoren bewertet als große, weil ihre Erträge stärker von einzelnen Personen und Kunden abhängen. Veröffentlichte Tabellen sind deshalb ein Anhaltspunkt, kein Preisschild.

Warum ist die Bereinigung der Zahlen so wichtig?

Weil die Jahresabschlüsse vieler Familienunternehmen nicht für einen Verkauf, sondern für Steuern und Bank erstellt wurden. Für die Bewertung werden die Ergebnisse deshalb normalisiert:

  • Unternehmerlohn: Arbeitet der Inhaber zu einem niedrigen oder sehr hohen Gehalt, wird ein marktüblicher Lohn für einen Geschäftsführer angesetzt.
  • Sondereffekte: Einmalige Erträge oder Kosten, etwa ein Grundstücksverkauf oder ein Rechtsstreit, werden herausgerechnet.
  • Private Kosten: Ausgaben, die eher privat als betrieblich sind, werden bereinigt.
  • Mieten: Gehört die Immobilie dem Inhaber, wird eine marktübliche Miete angesetzt.
  • Investitionsstau: Wurden Investitionen lange aufgeschoben, mindert das den künftigen Ertrag.

Ein ehrlich bereinigtes Ergebnis ist die Grundlage für ein faires Gespräch. Überraschungen in der späteren Prüfung (Due Diligence) kosten dagegen Vertrauen und oft auch Kaufpreis.

Was steigert den Wert eines Unternehmens?

Neben der Höhe des Gewinns zählt vor allem, wie sicher er ist. Werttreiber sind typischerweise:

  • Unabhängigkeit vom Inhaber: Eine zweite Führungsebene, die Kunden und Abläufe kennt.
  • Breite Kundenbasis: Keine große Abhängigkeit von einzelnen Kunden.
  • Wiederkehrende Umsätze: Wartungsverträge, Stammkunden, langfristige Rahmenverträge.
  • Stabile Belegschaft: Erfahrene Mitarbeiter mit Bindung an das Unternehmen.
  • Saubere Unterlagen: Nachvollziehbare Zahlen, geordnete Verträge, klare Zuständigkeiten.
  • Gepflegte Substanz: Moderne Ausstattung ohne Investitionsstau.

Viele dieser Punkte lassen sich in den Jahren vor einer Nachfolge gezielt verbessern. Mehr zur zeitlichen Planung im Beitrag Unternehmensnachfolge im Mittelstand.

Warum sind Wert und Preis nicht dasselbe?

Die Bewertung liefert eine begründete Spanne. Der Preis entsteht in der Verhandlung und hängt zusätzlich davon ab, wer kauft. Ein strategischer Käufer kann Synergien einpreisen, ein Finanzinvestor rechnet mit seiner Finanzierung und dem späteren Verkauf, ein langfristiger Eigentümer mit den Erträgen über viele Jahre. Auch die Struktur zählt: Ein etwas niedrigerer Preis, der vollständig beim Abschluss gezahlt wird, kann mehr wert sein als ein höherer mit unsicheren variablen Anteilen. Die Käufergruppen vergleicht der Beitrag Unternehmen verkaufen: Käufer im Vergleich.

Wie wir bei Clauss Capital bewerten

Wir bewerten wie langfristige Eigentümer: auf Basis der nachhaltigen, bereinigten Ertragskraft und mit Blick darauf, was das Unternehmen über viele Jahre leisten kann, ohne es mit Übernahmeschulden zu belasten. Ein fairer Preis ist für uns die Grundlage einer Partnerschaft, kein Verhandlungssieg. Mehr dazu auf unserer Seite für Unternehmer.

Häufige Fragen

Wie berechne ich den Wert meines Unternehmens?

Für eine erste Orientierung multiplizieren viele Inhaber ihr bereinigtes EBIT mit einem branchenüblichen Faktor und ziehen Schulden ab. Für eine belastbare Bewertung sollten die Zahlen normalisiert und ein anerkanntes Verfahren wie das Ertragswertverfahren oder die DCF-Methode angewendet werden, idealerweise mit einem erfahrenen Berater.

Welche Bewertungsmethode ist für kleine und mittlere Unternehmen üblich?

In der Praxis werden häufig Multiplikatoren zur Orientierung genutzt und durch ein Ertragswert- oder DCF-Verfahren abgesichert. Der Substanzwert dient meist nur als Untergrenze, etwa bei ertragsschwachen Unternehmen.

Was ist der Unterschied zwischen Enterprise Value und Equity Value?

Der Enterprise Value ist der Wert des gesamten Unternehmens, unabhängig von seiner Finanzierung. Zieht man die Finanzschulden ab und addiert überschüssige Barmittel, erhält man den Equity Value, also den Wert, der dem Eigentümer zusteht.

Was kostet eine Unternehmensbewertung?

Das hängt von Umfang und Anlass ab. Eine erste Einschätzung durch einen Berater ist oft vergleichsweise günstig, ein vollständiges Gutachten nach IDW S 1 deutlich aufwendiger. Lassen Sie sich vorab ein Angebot mit klarem Leistungsumfang geben.

Quellen und weiterführende Informationen

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information. Er stellt keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung und kein Angebot zum Erwerb von Beteiligungen dar.

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